Gemeinsam für mehr Artenvielfalt im Ackerland
01.10.2026
Bredstedt/Kiel/Ansbach, 28. September 2026 – Im bundesweiten Projekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ schaffen Akteure aus Landwirtschaft, Naturschutz und Jagd gemeinsam Lebensräume für das Rebhuhn und andere gefährdete Arten der Agrarlandschaft. Im Projektgebiet „Marsch und Geest“, dem nördlichsten der zehn Projektgebiete, werden seit Projektbeginn im Jahr 2023 Ackerflächen für mehr Artenvielfalt aufgewertet. „Bislang haben die landwirtschaftlichen Betriebe auf 1,2 Prozent der Ackerflächen sogenannte Ackerlebensräume mit einer Wildpflanzenmischung angelegt – das sind insgesamt 250 Hektar“, berichtete Stefanie Neumann, Projektmanagerin beim Runden Tisch Naturschutz Nordfriesland e. V.. Sie koordiniert die Maßnahmen und berät landwirtschaftliche Betriebe wie zum Beispiel den von Landwirt Marten Hansen aus Niebüll. Er wurde durch eine Blühfläche auf einem benachbarten Feld auf das Projekt aufmerksam: „Ich mache mit, weil Landwirtschaft und Naturschutz aus meiner Sicht zusammen funktionieren können. Wenn sich das gut in meinen Betrieb integrieren lässt und gleichzeitig etwas für das Rebhuhn und die Artenvielfalt bringt, ist das für mich eine gute Sache.“
Bei „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ stehen mehrjährige Maßnahmen auf Ackerland im Fokus, die den Rebhühnern sichere Brutplätze und ihren Küken ausreichend Insektennahrung bieten. Ergänzt werden sie durch ein gezieltes Prädatorenmanagement. Da insbesondere brütende Rebhennen häufig Fressfeinden wie Fuchs und Marder zum Opfer fallen, sind neben der Landwirtschaft auch Jägerinnen und Jäger wichtige Partner. Bei der Exkursion zu einer Blühfläche würdigte Claudia Bönnighausen, Leiterin der Abteilung „Naturschutz, Meeresschutz und Biodiversität“ im Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur des Landes Schleswig-Holstein, die erfolgreiche Kooperation: „Hier ziehen Landwirtschaft, Naturschutz und Jagd an einem Strang, um dem Artensterben in der Feldflur entgegenzuwirken.“
Lokale Aktionen als Motor für mehr Artenvielfalt
Für Bönnighausen spielen dabei die acht Lokalen Aktionen in Schleswig-Holstein, zu denen auch der Runde Tisch Naturschutz Nordfriesland zählt, eine bedeutsame Rolle: „Sie sind unersetzliche Dienstleister vor Ort, indem sie Naturschutz- und Landschaftspflegemaßnahmen organisieren und koordinieren. Sie ergänzen die behördlichen Strukturen.“ In ihrem Aufbau und ihrer Organisation entsprechen die Lokalen Aktionen den Landschaftspflegeverbänden im übrigen Bundesgebiet. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ihrer Arbeit ist die sogenannte „Drittelparität“: Naturschutz, Kommunen sowie Landnutzerinnen und Landnutzer sind innerhalb der Vereine gleichberechtigt vertreten.
In Schleswig-Holstein verfügen sie zudem über ein bewährtes Instrument für die Naturschutzberatung: den Angebotskatalog des Deutschen Verbands für Landschaftspflege (DVL), der Anreize für die Landwirtschaft schafft. Er bündelt die freiwilligen Maßnahmen und Fördermöglichkeiten zur Stärkung der biologischen Vielfalt und unterstützt landwirtschaftliche Betriebe bei der Auswahl geeigneter Maßnahmen. „Über den Angebotskatalog können wir gezielt strukturreiche Brachen vermitteln und begleiten, die für den Schutz des Rebhuhns von besonderer Bedeutung sind“, erläuterte Dr. Helge Neumann, DVL-Landeskoordinator Schleswig-Holstein.
Bestandszahlen deuten Trendwende an
Wie wichtig derartige Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt sind, zeigen die Bestandszahlen sehr deutlich: Während die Rebhuhnbestände in Deutschland seit 1980 um mehr als 80 Prozent dramatisch gesunken sind, nahmen sie in den zehn Projektgebieten von „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ in den vergangenen fünf Jahre um rund 15 Prozent zu – eine Trendwende. Auch im Projektgebiet „Marsch & Geest“ werden die Bestände über das Monitoring des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA) kontinuierlich erfasst. „Die Rebhühner waren bei uns immer da und sind glücklicherweise nie ausgestorben. Ohne unsere Maßnahmen wären ihre Bestände jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter gesunken“, so Stefanie Neumann. Das Projektgebiet weist im Vergleich zu den meisten anderen Regionen Schleswig-Holsteins eine hohe Rebhuhndichte auf und konnte diese bislang halten.
Planungssicherheit für den Rebhuhnschutz
Damit das Netzwerk für Rebhuhn & Co. weiter wächst, nimmt die Naturschutzberatung der Landwirtinnen und Landwirte einen großen Teil der bundesweiten Projektaktivitäten ein. „Die Projektpartner vor Ort gewinnen landwirtschaftliche Betriebe dafür, Anpassungen in der Bewirtschaftung durchzuführen“, stellte Projektleiterin Monika Riepl vom Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) heraus. Damit dies gelingt, ist eine verlässliche Finanzierung über den Vertragsnaturschutz und andere Förderprogramme unerlässlich. Mit Blick auf die anstehende Umsetzung der EU-Naturwiederherstellungsverordnung und die Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 appellierte Riepl, die Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Naturschutz langfristig zu stärken. Denn Betriebe, die Maßnahmen wie Blühflächen oder Ackerbrachen umsetzen, benötigen Planungssicherheit für ihr Engagement – darin waren sich die Anwesenden einig. Die Situation im Projektgebiet „Marsch & Geest“ steht dabei beispielhaft für die Herausforderungen und Chancen in allen zehn Projektgebieten von „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“.
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